Am
30.01.2010 lief im Deutschlandradio Kultur eine Gesprächsrunde
im Rahmen des Radiofeuilletons, mit dem Titel„Zwischen
Ethik und Effizienz“ - Welche Medizin können wir uns noch
leisten?
Es
waren prominente Gäste geladen, Prof.
Dr. Wieland Kiess, viel beschäftigter und hoch dekorierter
Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche
Leipzig und Sybille Herbert,
Journalistin und Autorin. Hörer konnten anrufen oder mailen.
Soweit nichts Besonderes, wie ich dachte. Dieter Kassel war der gut
durch die Sendung führende Moderator.
Herr
Prof. Dr. Wieland Kiess stand für eine abgespeckte Pharmazie und
für sinnvolles Wirtschaften mit dem Geld der
Krankenversicherten. Er selbst ist Allopath. Die Dienste der
Heilpraktiker, mit dem wertvollen Blick auf die Ganzheitlichkeit
unseres Daseins, wurde dabei keine Beachtung geschenkt. Schade, denn
das allein würde der Staatskasse und dem Budget des Bürgers
sehr helfen können, ohne sie über Gebühr zu
strapazieren.
Im
Gesprächsverlauf wurde unter anderem, auch vielen sinnvollen
Vorschlägen, darüber debattiert, ob wir uns eigentlich die
teure medizinische Versorgung noch leisten können. Man kam zu
tollen Schlüssen, daß man doch ruhig unterscheiden kann,
ob jemand unverschuldet oder verschuldet krank geworden ist. Der alte
Raucher, der auf teure Behandlung seiner krebskranken Lunge
verzichten muß, zu Gunsten des alten Herrn, der nie eine
Zigarette angerührt hat. Nun, so weit sind wir schon, daß
man das Budget des Arztes in seiner Praxis so weit heruntergefahren
hat, daß eine anständige Grundversorgung nicht mehr für
jeden gewährleistet werden kann. Kein Wort davon, daß der
Raucher sein Raucherleben lang schon horrende Steuern bezahlen muß,
weil er der Allgemeinheit in der Zukunft auf der Tasche liegen wird.
Das einfach mal angesprochen, weil oft, wenn es an die Erhöhungen
der Zigarettensteuer geht, ja immer genau damit argumentiert worden
ist.
Untermauert
wird die immer weiter zusammenbrechende Grundversorgung auch durch
den Präsidenten der Bundesärztekammer, Jörg Dietrich
Hoppe, dessen Zitat durch dem Moderator bemüt worden ist: „Im
deutschen Gesundheitswesen wird heimlich rationiert, weil nicht
genügend Geld für alle zur Verfügung steht, um allen
Menschen die optimale Therapie zu verschaffen.“
Prof.
Dr. Kiess bestreitet das, er ist der Meinung, daß dieses Land
ein reiches Land ist. Der Auffassung kann man gut sein. Seiner
Meinung nach solle der Arzt nicht am Patienten verdienen, was an sich
sehr löblich ist. Leider sieht die Realität bei uns hier
oft genug anders aus.
Es
würde zu viel und unnötigerweise geröntgt,
kernspintomographiert ect. Das, auch eine ganz richtige
Schlußfolgerung. Gesundheitseinrichtungen halten sich ja
geradezu mit unnötigen Applikationen durchaus gesund.
Das
alles war nichts Weltbewegendes. Doch kurz nach der ersten Hälfte
des ersten Sendungsteiles plauderte der Klinkchef Prof. Dr. Kiess
doch etwas aus seiner ganz persönlichen Erfahrungskiste mit der
Politik der vorletzten und (jetzigen Regierung - das wurde in der Mailnachfrage an ihn präzisiert, siehe unten) heraus, was einen doch
sehr aufhorchen läßt. So hatte er seinerzeit der damaligen
(vorletzten) Bundesregierung doch vorgeschlagen, die vielen
existierenden Krankenkassen (damals ca. 300 – heute noch etwa 150
so seine Gesprächspartnerin in der Gesprächsrunde) auf eine
einzige zusammen zu schmelzen. - Nun, es scheint auch der Konsens in
der Bevölkerung zu sein, hört man sich etwas in seinem
eigenen Umfeld um. Verschlingen doch die Verwaltungen einen großen
Teil der Gesundheitskosten, was man durch die Reduzierung der
Krankenkassen durchaus in einen überschaubaren Rahmen überführen
kann. Man kann sich streiten, ob Zentralisierung auf allen Gebieten
sinnvoll ist, die Kosten wirklich heruntergeholt und vor allem ob es
im Sinne des Patienten dienlich ist, wenn es nur noch eine
Krankenkasse gibt. Wohl sicher nicht, weil Monopole und Kartelle
immer Ausgangspunkt grenzenloser Ausbeutung und Verarmung sind. Hier
nun sinngemäß die Antwort, die man ihm auf seinen
Vorschlag hin von Regierungsseite her damals gab:
Zitat:
„Das
ist mit der CDU/CSU-Fraktion nicht umzusetzen, weil viele der
Abgeordneten im Deutschen Bundestag in Vorständen und in
Aufsichtsräten der Krankenkassen seien ...“.
So
die Aussage, wie Herr Prof. Dr. Kiess erklärt, nachgeprüft
habe er das selber nicht.
Das
Gesundheitsministerium, wie Herr Prof. Dr. Kiess mir auf
Mailnachfrage bestätigte, jedenfalls war man bei letzter
Auskunft wohl ebenso befangen, wie bei der vorhergehenden auch schon.
Es ging nämlich darum, die nur bei uns im Lande gefahrene, teure Zweigleisigkeit der
niedergelassenen Ärzteschaft und der Krankenhausärzteschaft
abzuschaffen, “... daß auch das nicht zu machen sei, weil
viele der SPD Abgeordneten „Verwandtschaft (!!!) hätten,
die niedergelassene Ärzte seien....“ - Da fällt einem
doch nichts mehr ein, geht Ihnen das ebenso? - Hier fällt mir
doch nur noch ganz spontan das Grundgesetz Artikel 20 ein der da
besagt, daß alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht.
Unsere
Parlamentarier stellen eine „repräsentative“ Vertretung des
Volkes dar, so sollte es jedenfalls doch sein. Daß der Amtseid,
den jeder zu leisten hat beinhaltet, daß er für das Volk
und gegen Schäden an ihm einzutreten hat, das dürfte
eigentlich Selbstverständlichkeit sein. Nicht's finde ich jedoch
darüber, daß man Vetternwirtschaft und Korruption begünstigen soll
und darf.
Nachprüfen
kann ja jeder selbst bei Abgeordnetenwatch, wo jeder Parlamentarier sonst noch seine "Fühler" und zu welchen Lobbys hinstreckt,
wenn auch nur oberflächlich, seine Zusatzverdienste angeben muß.
Soweit so gut, aber wenn man das dann in Zusammenhang mit der
gelebten Politik in Verbindung bringt, wo man für die Interessen
der Pharmaindustrie Millionen Menschen bewußt dem Risiko der
gesundheitlichen Verletzung
aussetzt, wo man überall und an allen Enden im Gesundheitswesen
zusammenstreicht, die Gesundheitskosten in's Unermeßliche
explodieren läßt, weil Pharma den Rachen nicht voll genug
bekommen kann. Wo wir mit Gentechnik
trotz aller Erkenntnisse zugeschüttet werden, wo Codex
Alimentarius tief in unsere Grundbedürfnisse eingreifen wird
und wo man sich von ausländischen Mächten
auf der Nase herumtanzen und fliegen
läßt, wo man sich daran aktiv beteiligt, daß fremde
Länder
unbewohnbar sind, da ist für die Grundrechte
und Interessen der Menschen in diesem Land kein Platz. Da
degenerieren wir zur Quelle unermeßlichen Reichtums und
pervertierter Macht.
Verstehen
Sie nun, warum in unserer Politik so einiges nicht läuft, wie es
für den Bürger laufen soll? Warum unsere
Gesundheitsindustrie sich noch nicht mal ein Bein dafür
ausreißen muß Politik dahin zu bewegen, wo man sie
hinsteuern will? Geahnt haben wir immer schon daß es so läuft,
jedoch haben wir hier einen Beweis dafür, daß unsere
bisherige Vermutung schleichend zur Realität geworden ist. .
Die
Politik gehört gehörig entfilzt, wenn dieses Land wirklich
mal keine Bananenrepublik mehr werden soll. Das jedoch kann nur
gelingen, wenn die Aufmerksamkeit des Bürgers so gestählt
worden ist, daß sofort ein Aufschrei durch die Massen geht,
wenn diese Art von "Lobbyismus" schon die Grenze zu Korruption und
Vetternwirtschaft überschritten hat.
Dieses
Parlament verdient kein Vertrauen. Es ist zum Erfüllungsgehilfen
dunkler Mächte im Hintergrund verkommen. Es ist so verstrickt
mit deren Interessen, daß ein Zurück zu uns, schon tief in
ihre eigenen Interessen eingreifen muß.
Das
Parlament gehört an die Leine des Souveräns genommen und
wieder vom Kopf auf die Füße gestellt.
Bombardiert
Eure Abgeordneten mit Fragen und drängt auf plausible Antworten
und macht ihnen klar, daß Ihr soetwas korrumpiertes in der
Zukunft nicht mehr wählen wollt.
Als
abschließende Bemerkung möchte ich anführen, daß
ich von diesem Parlamente sprach. Es gibt überall Menschen, die
ehrlich sind. Es ist sicherlich auch so, daß es die in unserem
Parlamente geben mag. An diese gerichtet kann ich nur eindringlich
dazu ermuntern, daß man sich einmal etwas lautstärker
bemerkbar macht, oder hat man Euch so fest im Würgegriff, daß keiner von Euch hörbar, laut und glaubhaft
und ohne dieses alltägliche Parteiengesülze dagegen aufbegehren mag?
Es
ist einfach eine Riesensauerei, wie Ihr uns in Berlin verarscht. Es
ist der Wurm drin bei Euch und man kann nur hoffen darauf, daß
Ihr und Eure Nächsten am eigenen Leibe spüren werden, was
ihr uns so zumuten laßt. Auf Watte gebettet und mit Geld bis
über den Stehkragen abgefüllt, lernt Ihr es ganz offenbar
nicht....
Ende des Artikels
Hier noch meine Anfrage an Professor Dr. Kiess und seine Antwort mit Anmerkung (fett) darauf:
Zitat Anfang:
Sehr
geehrter Herr Prof. Dr. Kiess,
mit
Interesse verfolgte ich am 30.01.2010 die Sendung im Deutschlandradio
Kultur, bei der Sie als Gesprächsgast geladen waren.
Insoweit
meine Hochachtung vor den durch Sie vertretenen Positionen einer
Abspeckung auf sinnvolle Art, ohne den Patienten aus den Augen zu
verlieren. Auch ich bin der Auffassung, daß unser Land reich
genug ist, als daß man an einer anständigen
Grundversorgung sparen muß.
Trotzdem ist mir eines
nicht ganz klar herüber gekommen. Sie sprachen davon, daß
ihnen gegenüber die Vorgängerbundesregierung geäußert
hat, daß viele der CDU/CSU Mitglieder des Deutschen
Bundestages, in Aufsichtsräten und Vorständen der
Krankenkassen säßen und deshalb eine Zusammenlegung der
Kassen mit der CDU/CSU nicht zu machen sei.
Darüber
hinaus sagten Sie, daß die derzeitige Bundesregieung wegen der
Zweigleisigkeit des Ärztesystems der Auffassung sei, daß
ein Großteil der SPD Bundestagsabgeordneten, Verwandschaft als
niedergelassene Ärzte hätten und damit der nur bei uns
vorkommenden Doppelgleisigkeit des Ärztesystems nicht
beizukommen sei. Oder habe ich da etwas falsch verstanden, weil
doch die SPD ohnehin keine Mehrheit mehr im Bundestag hat?
Können
Sie mir bitte noch präzisieren, wer Ihnen diese Auskünfte
gab? - Waren es die jeweiligen BundesgesundheitsministerIn der
jeweiligen Legislatur?
Zitat Ende
Seine
kurze Antwort hier, die Präzisierung und Einfügung von ihm dazu
fett gedruckt, persönliche Daten habe ich anonymisiert:
... Trotzdem
ist mir eines nicht ganz klar herüber gekommen. Sie sprachen
davon, daß ihnen
gegenüber die Vorgängerbundesregierung geäußert
hat,
daß viele der CDU/CSU
Mitglieder des Deutschen Bundestages, in
Aufsichtsräten und
Vorständen der Krankenkassen säßen und deshalb eine
Zusammenlegung der Kassen
nicht mit der Zustimmung der CDU/CSU zu machen sei.
Darüber hinaus sagten
Sie, daß die Vorgängerbundesregierung(wie oben)
wegen der
Zweigleisigkeit des
Ärztesystems der Auffassung sei, daß weil Viele
der SPD
Bundestagsabgeordneten, Verwandtschaft als niedergelassene Ärzte
hätten und damit der
nur bei uns vorkommenden Doppelgleisigkeit des
Ärztesystems nicht
beizukommen sei.
Bundesgesundheitsministerium
Direktor
der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche